Burg Mylau

am besten erhaltene Burg des sächsischen Vogtlandes


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Auf einem Bergsporn oberhalb der Mündung des Milin- oder Raumbaches in die Göltzsch, erhebt sich die Burg Mylau. Mit ihren drei Türmen, dem 27 m hohen Bergfried, dem Roten Turm und dem Glockenturm, und den beiden Höfen ist sie nicht nur der am besten erhaltene mittelalterliche Wehrbau des sächsischen Vogtlandes. Blick auf Roten Turm und Glockenturm Eine mächtige, in böhmischer (gotischer) Zeit errichtete Vorburg reicht bis zur Kirche und dürfte wegen ihrer Größe auch über das Vogtland hinaus selten sein. In ihrer Grundkonzeption ist die Burg Mylau ein romanischer Wehrbau. Sie dürfte um 1180, im Zuge der Kolonisation des Vogtlandes als Reichsdienstmannensitz des Kaisers Friedrich Barbarossa, gegründet worden sein. Kaiser Karl IV. erwarb sie 1367 für die böhmische Krone, besuchte sie im gleichen Jahr und verlieh Mylau das Stadtrecht. Nach dem Übergang der Burg an die Kurfürsten von Sachsen (1422), vor allem im 16. Jahrhundert, vollzog sich der Wandel von der Wehr- zur Wohnburg. Bergfried Der humanistisch gebildete Joseph Lewin Metzsch (1508-1571), ein Freund Luthers, die "Zierde des vogtländischen Adels", wie ihn der große Förderer der Reformation in Sachsen, Georg Spalatin, bezeichnete, war einer ihrer bekanntesten Bewohner. 1772 wurde die Burg als Adelssitz aufgegeben. 1808 errichtete hier der Bankier und Spinnereibesitzer Christian Gotthelf Brückner die erste Fabrik des nördlichen Vogtlandes. Dem rapide voranschreitenden Verfall begegnete der 1892 gegründete Mylauer Schlossbauverein. Durch eine Mehrfachnutzung als Gaststätte, Museum und Rathaus konnte die Burg nicht nur erhalten, sondern auch durch historistische Architektur- und Dekorationselemente (u.a. prachtvolle Wandbemalungen) aufgewertet werden. Wertvollster Raum der Burg ist der nach dem Vorbild des Festsaales der Wartburg entstandene Ratssaal von 1896. Ratssaal
Das Museum Burg Mylau, hervorgegangen aus dem 1883 gegründeten Museum des Mylauer Naturkundevereins, befindet sich seit 1893 in der Burg und ist bestandsmäßig das größte Museum im Vogtlandkreis. Es besitzt die größte Naturkundesammlung des Vogtlandes, zu der nicht nur heimische, sondern auch exotische Tiere gehören, darunter ca. 15000 Insekten, 1000 Vogelpräparate, 700 Säugetiere und etwa 2000 Gesteine und Mineralien. In der Ausstellung, vor allem im historischen Naturalienkabinett, ist ein Teil davon zu besichtigen.
Das Museum informiert über Kaiser Karl IV. in Mylau, die Geschichte der Burg, den Bau der Göltzschtalbrücke als weltgrößte Ziegelbrücke (1846 - 1851) sowie der gleichzeitig entstandenen Elstertalbrücke und über Geologie und Bergbau im Vogtland. Metzschzimmer Zu sehen sind eine Handweberstube sowie das repräsentative Metzschzimmer der 1893 eingeweihten ehemaligen Schlossschenke. An die einst größte Baumwollspinnerei Sachsens erinnert das biedermeierliche Brückner-Zimmer. Ein Edelstein des Museums ist der Barocksaal. Die hier ausgestellten über 40 Veduten mit den Darstellungen europäischer Barockresidenzen um 1750 dürften weit über das Vogtland hinaus einmalig sein. Das im Februar durchgeführte Puppenspielfest sowie das Burgfest im Sommer finden großen Zuspruch. Die Abendstunden können in einer griechischen Spezialitätengaststätte im Burgkeller verbracht werden. Auch für Trauungen steht die Burg offen. Der 1998 gegründete Förderverein Burg Mylau e.V. bietet außerdem den repräsentativen Ratssaal zur Vermietung an. Vom Markttor der Burg führt der "Kaiserpfad" bis in den oberen Burghof, den Kaiserhof. An 13 Stationen lernen die Burgbesucher das mittelalterliche Bauwerk mit seinen Türmen, Toren, Mauern und Bastionen, dem Graben und den Relikten aus der Zeit der böhmischen Könige Karl IV" Wenzel IV. und Sigismund kennen. Über einen zweiten Burgpfad, den "Ritterpfad", gelangt man vom Markttor über den Markt nach Obermylau.